Verkehrslastmonitoring: was das Bauwerk wirklich trägt

Bemessen wurde mit den Annahmen der Bauzeit, gefahren wird mit dem Verkehr von heute. Das Monitoring misst am Bauwerk selbst, welche Beanspruchung dort tatsächlich ankommt, dauerhaft und mit Grenzwert.

Schwerlastverkehr auf einer Schrägseilbrücke, darunter drei markierte Messpunkte am Überbau

Ihre Vorteile

Eine Annahme lässt sich durch einen Messwert ersetzen

Rechnerische Lastannahmen müssen auf der sicheren Seite liegen. Sie sagen deshalb, was das Bauwerk aushalten soll, nicht, was es täglich erfährt.

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Messwerte an der Stelle der Annahme

Bauwerke im Bestand sind nach den Lastannahmen ihrer Bauzeit bemessen. Die Messreihe zeigt, welche Beanspruchung heute wirklich am maßgebenden Querschnitt ankommt.

Das Kollektiv, nicht der Einzelfall

Für die Ermüdung zählt, wie oft und wie stark ein Bauteil beansprucht wird. Diese Häufigkeitsverteilung entsteht erst aus einer durchlaufenden Messung über Monate.

Schwertransporte dokumentiert

Angekündigte Großraum- und Schwertransporte lassen sich als eigenes Ereignis aufzeichnen. Was das Bauwerk dabei erfahren hat, steht danach als Datensatz fest.

Maßnahmen belegen statt begründen

Gewichtsbeschränkung, Spurführung, Lkw-Überholverbot oder Ersatzneubau: die Datenreihe trägt die Entscheidung und macht sie gegenüber Auftraggebern und Behörden nachvollziehbar.

Lastwagen auf einer Autobahnüberführung, am Überbau ist die Messstelle markiert

Funktionsweise

Vier Schritte von der Überfahrt zur Aussage

Eine einzelne Überfahrt sagt wenig, sie gehört zum Betrieb. Aussagekräftig wird sie erst als Reihe: wie oft, wie stark, und mit welchem Trend über die Jahre.

  1. 01

    Bauwerk und Fragestellung aufnehmen

    Wir sichten Tragsystem, Bauart und die Befunde der letzten Prüfung, legen den maßgebenden Querschnitt fest und klären, welche Entscheidung die Messung tragen soll.

  2. 02

    Antwort des Bauwerks erfassen

    Gemessen wird nicht das Fahrzeug, sondern die Reaktion des Bauteils: Dehnung, Verformung, Rissbreite oder Schwingung. Die Bauwerkstemperatur läuft mit, weil sie den Nullpunkt verschiebt.

  3. 03

    Zeitreihe zum Kollektiv verdichten

    Aus dem Verlauf entsteht eine Häufigkeitsverteilung: wie oft welche Beanspruchung auftritt, zu welchen Tages- und Wochenzeiten, und wie sich das über Monate verändert.

  4. 04

    Grenzwert überwachen und melden

    Für die maßgebende Größe wird ein Grenzwert vereinbart. Wird er überschritten, geht die Meldung automatisch heraus, parallel wächst die Dokumentation weiter.

Prinzip erleben

Dieselbe Brücke, zwei Fahrzeuge

Die Dehnung im maßgebenden Querschnitt steigt, während das Fahrzeug auf die Feldmitte zufährt, und fällt danach wieder ab. Die Form dieser Kurve gehört zum Bauwerk, ihre Höhe zur Last darüber. Wechseln Sie das Fahrzeug und sehen Sie den Unterschied.

Nur Demonstration Im Sollbereich
MESSSTELLE DEHNUNG ZEIT GRENZWERT LETZTE ÜBERFAHRT
Fahrzeug
Sensor-Anzeige

Auslastung des Grenzwerts

0%

Messgröße

Dehnung, Feldmitte

Aktueller Ausschlag im Sollbereich

Was gemessen wird

Gemessen wird das Bauwerk, nicht das Fahrzeug

Die Last selbst bleibt außerhalb der Messung. Interessant ist, was sie im Bauteil auslöst, und je nach Bauart ist das eine andere Größe.

Stahl & Verbund

Dehnung am Bauteil

Die Dehnung im maßgebenden Querschnitt ist die direkteste Antwort auf die Last darüber. Ihre Schwankungsbreite und ihre Häufigkeit sind die Größen, an denen die Ermüdungsfrage hängt.

Massivbau

Rissbreite & Verformung

Im Beton zeigt sich die Beanspruchung an der Bewegung vorhandener Risse und an der Durchbiegung. Beides lässt sich dauerhaft und millimetergenau verfolgen.

Alle Bauarten

Schwingung & Eigenfrequenz

Die Art, wie ein Bauwerk auf eine Überfahrt ausschwingt, hängt an seiner Steifigkeit. Verändert sich dieses Verhalten über Jahre, ist das ein Hinweis, dem man nachgehen muss.

Die einzelnen Größen gibt es auch als eigene Lösung: Rissbewegung im Rissmonitoring, Schwingung im Vibrationsmonitoring, alle Messgrößen zusammen im Bauwerksmonitoring. Im Konzept kombinieren wir die Größen, die zur Fragestellung passen.

Typische Einsatzfälle

Dort, wo die Last die offene Frage ist

Ob ein Bauwerk den heutigen Verkehr noch verträgt, entscheidet über Beschränkung, Instandsetzung und Ersatzneubau. Eine Messreihe beantwortet die Frage, die sonst über Annahmen läuft.

  • Bauwerke im Bestand, deren Lastannahmen aus der Bauzeit stammen
  • Brücken in der Nachrechnung, bei denen eine Annahme durch eine Messung ersetzt werden soll
  • Stahl- und Verbundbauwerke mit offener Frage zur Ermüdung
  • Bauwerke auf Schwerlastrouten oder an Umleitungsstrecken
  • Angekündigte Großraum- und Schwertransporte über ein empfindliches Bauwerk
  • Bauwerke vor der Entscheidung über Beschränkung, Instandsetzung oder Ersatzneubau

Nachrechnung

Messwert an der Stelle der Annahme

Wird ein Bauwerk im Bestand nachgerechnet, entscheidet die angesetzte Verkehrslast über das Ergebnis. Objektspezifische Annahmen sind in den höheren Stufen der Nachrechnung ausdrücklich vorgesehen, und eine Messreihe am Bauwerk ist die belastbarste Grundlage dafür.

Bauwerksprüfung

Verlauf zwischen zwei Hauptprüfungen

Die Prüfung nach DIN 1076 bleibt bestehen. Das Monitoring liefert die Jahre dazwischen als Messreihe und zeigt dem Prüfingenieur, welche Beanspruchungen in dieser Zeit tatsächlich aufgetreten sind.

Zur Branche Brückenbau

Verkehrslastmonitoring für Ihr Bauwerk

Ob Nachrechnung, Ermüdungsfrage oder ein angekündigter Schwertransport, wir sichten das Bauwerk und stimmen Messgrößen, Messpunkte und Grenzwerte auf Ihre Fragestellung ab.

Christian Steffes Christian Steffes

Datenplattform

Alle Messwerte auf einer Plattform

Die Sensoren übertragen ihre Messwerte per Funk an die Datenplattform. Dort werden sie ausgewertet, dokumentiert und laufend gegen Ihre Grenzwerte geprüft.

  • KI bei der Datenanalyse
  • Nutzerorientierte Reportings
  • Kontinuierliche Auswertung
  • Warn- und Alarmschwellen
  • Alarmierung per E-Mail und SMS
  • Fernzugriff rund um die Uhr
Mehr zu Überwachung & Alarmierung
Monitoring-Plattform Beispielansicht
Messverlauf im Sollbereich
Warnschwelle
  • KI bei der Datenanalyse Zustand im Sollbereich
  • Nutzerorientierte Reportings Bericht bereit
  • Alarmierung Grenzwerte überwacht
FAQ

Häufig gestellte Fragen zum Verkehrslastmonitoring

Was ist Verkehrslastmonitoring?
Verkehrslastmonitoring ist die dauerhafte Messung der Beanspruchung, die der Verkehr in einem Bauwerk auslöst. Gemessen wird die Antwort des Bauteils, also Dehnung, Verformung, Rissbreite oder Schwingung, und zwar über Monate statt an einem Prüftag. Daraus entsteht eine Häufigkeitsverteilung der tatsächlichen Beanspruchung, die eine rechnerische Lastannahme so nicht liefern kann.
Warum reicht die rechnerische Lastannahme nicht?
Sie ist eine Annahme, und bei Bauwerken im Bestand stammt sie aus der Bauzeit. Viele Brücken sind nach den Brückenklassen der DIN 1072 bemessen, der heutige Verkehr wird über das Lastmodell 1 der DIN EN 1991-2 abgebildet, das deutlich höhere Lasten ansetzt. Die Annahme muss auf der sicheren Seite liegen und liegt deshalb oft weit von der Wirklichkeit entfernt, in beide Richtungen. Eine Messung am Bauwerk ersetzt die Annahme durch einen Wert für genau dieses Bauwerk.
Ermittelt Infrasolute damit Achslasten oder Gesamtgewichte?
Nein. Das Wägen in der Fahrt ist ein eigenes Verfahren mit eigener Sensorik und eigener Kalibrierung, und es ist nicht Gegenstand dieser Lösung. Wir messen die Beanspruchung des Bauwerks, nicht das Gewicht einzelner Fahrzeuge. Wenn Sie eine Lastermittlung je Fahrzeug benötigen, sagen Sie uns das in der Anfrage, dann ordnen wir das ein.
Welche Messgrößen kommen an mein Bauwerk?
Das hängt an Bauart und Fragestellung. Bei Stahl- und Verbundbauwerken steht die Dehnung im maßgebenden Querschnitt im Mittelpunkt, im Massivbau die Bewegung vorhandener Risse und die Durchbiegung, dazu kommt je nach Fall die Schwingung. Welche Sensorik im Einzelfall eingesetzt wird und wo sie sitzt, legen wir in der kostenfreien Konzeption fest, nicht vorab.
Ersetzt das Monitoring die Bauwerksprüfung nach DIN 1076?
Die Prüfung nach DIN 1076 bleibt bestehen und wird durch das Monitoring ergänzt. Die Hauptprüfung liefert alle sechs Jahre eine Momentaufnahme, das Monitoring den Verlauf dazwischen, einschließlich der Beanspruchungen, die zwischen zwei Prüfungen aufgetreten sind. Diese Daten stehen dem Prüfingenieur zur Verfügung, die Bewertung trifft weiterhin er.
Muss für die Installation gesperrt werden?
Die Sensorik sitzt am Bauteil, in der Regel an der Untersicht oder im Hohlkasten, also nicht auf der Fahrbahn. Ob eine Verkehrssicherung, ein Hubsteiger oder ein Brückenuntersichtgerät nötig ist, entscheidet allein die Zugänglichkeit des Messpunkts. Das klären wir vorab bei der Besichtigung, damit der Aufwand vor der Beauftragung feststeht.

Projektanfrage

Sprechen wir über Ihr Bauwerk

Schildern Sie uns Bauwerk, Baujahr und die Frage, die die Messung beantworten soll. Sie erhalten kurzfristig eine belastbare Ersteinschätzung, inklusive geeigneter Messgrößen und Messpunkte.

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