Bramkebrücke: Pfeiler­kopf­auslenkung beim Taktschieben überwacht

Bramkebrücke im Bau: stählerner Vorbauschnabel an der Spitze des Überbaus über einem Pfeiler, daneben die parallele Brückenhälfte

Projektfakten

Bauwerk
Bramkebrücke, Neubau im Taktschiebeverfahren
Aufgabe
Auslenkung der Pfeilerköpfe während des Vorschubs überwachen
Verbaute Sensorik
Ein Live-Neigungssensor auf jedem Pfeilerkopf
Datenübertragung
Live-Gateway von Infrasolute, sekündlich an die Datenplattform

Verbaute Sensorik

Auf einen Blick

  • Bauwerk: Bramkebrücke, Neubau im Taktschiebeverfahren
  • Risiko: Die Reibung in den Gleitlagern lenkt die Pfeilerköpfe bei jedem Vorschub aus
  • Lösung: ein Live-Neigungssensor je Pfeiler, angeschlossen an das Live-Gateway von Infrasolute
  • Überwachung: sekündliche Übertragung, Prüfung gegen Warn- und Alarmschwelle, sofortige Alarmierung

Bauverfahren

Eine Brücke, die Takt für Takt über das Tal wandert

Die Bramkebrücke wird im Taktschiebeverfahren gebaut. Hinter dem Widerlager liegt ein fester Fertigungsplatz. Dort wird der Überbau abschnittsweise betoniert, jeder neue Abschnitt wird an den vorherigen anbetoniert. Ist ein Abschnitt fertig, schieben hydraulische Verschubpressen den gesamten Überbau um eine Taktlänge weiter in Richtung Tal. Dann beginnt der nächste Takt.

Der Überbau gleitet dabei über Gleitlager, die auf jedem Pfeilerkopf sitzen. An seiner Spitze trägt er einen Vorbauschnabel aus Stahl. Der Schnabel ist leichter als der Betonquerschnitt und verringert das Kragmoment, solange die Spitze frei über das Feld bis zum nächsten Pfeiler ragt. So wächst die Brücke über das Tal, ohne dass dort ein Lehrgerüst stehen muss.

Stählerner Vorbauschnabel an der Spitze des Überbaus, darunter Pfeiler mit Arbeitsbühnen und Gerüsttürmen Pfeiler und Überbau der Bramkebrücke im Bauzustand, im Vordergrund ein Mitarbeiter in Warnweste
Links der blaue Vorbauschnabel an der Spitze des Überbaus, kurz vor dem nächsten Pfeiler. Rechts die Pfeilerreihe im Bauzustand, mit Arbeitsbühnen an den Pfeilerköpfen.

Herausforderung

Was mit den Pfeilern passiert, wenn der Überbau vorrückt

Beim Vorschub wirken auf jeden Pfeilerkopf horizontale Kräfte. Die wichtigste ist die Reibung in den Gleitlagern: Der Überbau gleitet nach vorn und zieht den Pfeilerkopf ein Stück mit. Je nach Längsneigung der Brücke kommt ein Anteil aus dem Gefälle hinzu. Der Pfeiler ist im Fundament eingespannt und verhält sich wie ein Kragarm. Sein Kopf wird in Vorschubrichtung ausgelenkt, bei hohen, schlanken Pfeilern spürbar.

In der Planung ist diese Auslenkung berücksichtigt. Kritisch wird es, wenn sie größer ausfällt als angesetzt: weil ein Gleitlager schwergängig wird, die Reibung höher ist als angenommen oder der Überbau ruckartig ansetzt. Dann steigt die Beanspruchung im Pfeiler, vor allem am eingespannten Pfeilerfuß, im ungünstigen Fall bis zur Rissbildung.

Dazu kommt: Mit jedem Takt ändert sich die Lage. Der Überbau wird länger, die Spitze erreicht den nächsten Pfeiler, die Lasten verteilen sich neu. Ein Pfeiler, der beim letzten Takt unauffällig war, kann beim nächsten an seine Grenze kommen. Und das entscheidet sich in den Sekunden, in denen die Pressen schieben.

Schematische Grafik: oben das Taktschiebeverfahren mit Fertigungsplatz, Verschubpressen, Überbau, Vorbauschnabel, Gleitlagern, einem Neigungssensor je Pfeiler, Live-Gateway und Datenplattform; unten ein Pfeiler, dessen Kopf durch die Reibung im Gleitlager ausgelenkt wird, und der Neigungsverlauf über mehrere Vorschübe mit Warn- und Alarmschwelle
Oben das Verfahren im Überblick, unten der einzelne Pfeiler: Die Reibung im Gleitlager zieht den Pfeilerkopf mit. Jeder Vorschub ist im Verlauf als Ausschlag zu sehen. Steigt er über die Warn- oder Alarmschwelle, meldet das System sofort. Schematische Darstellung, keine Messwerte. Zum Vergrößern anklicken.

Lösung

Ein Live-Neigungssensor je Pfeiler, sekündlich überwacht

Infrasolute hat auf jedem Pfeilerkopf einen Live-Neigungssensor gesetzt. Er misst die Neigung des Pfeilerkopfs, und aus ihrer Änderung ergibt sich die Auslenkung. Alle Sensoren sind an das Live-Gateway von Infrasolute angeschlossen. Das Gateway überträgt die Messwerte sekündlich an die Datenplattform, während des gesamten Vorschubs.

Auf der Plattform wird jeder Wert sofort gegen die festgelegten Grenzwerte geprüft, gestuft in Warn- und Alarmschwelle. Wird ein Grenzwert überschritten, alarmiert das System automatisch und ohne Verzögerung. So steht die Information auf der Baustelle zur Verfügung, solange der Vorschub noch läuft, und nicht erst bei der nächsten Vermessung.

Gelber Live-Neigungssensor am Betonpfeilerkopf neben der Stahlkonstruktion der Verschubeinrichtung, mit Kabel zum Live-Gateway Pfeilerkopf der Bramkebrücke unter dem Überbau, Blick von der Arbeitsbühne ins Tal
Links der Live-Neigungssensor am Pfeilerkopf, die Leitung führt zum Live-Gateway. Rechts der Pfeilerkopf direkt unter dem Überbau, dort wo die Gleitlager sitzen.

Ergebnis

Jeder Takt mit Daten statt nach Augenmaß

Während des Taktschiebens war die Auslenkung jedes Pfeilers zu jeder Sekunde sichtbar. Die Baustelle konnte jeden Vorschub mit Messwerten begleiten, statt sich auf Sichtkontrolle und Vermessung zwischen den Takten zu verlassen. Gleichzeitig entstand für jeden Takt eine lückenlose Dokumentation, wie sich jeder Pfeiler verhalten hat.

Treppenturm aus Gerüstteilen zwischen zwei hohen Pfeilern der Bramkebrücke, Blick nach oben zum Überbau Vorbauschnabel und Pfeilerköpfe der Bramkebrücke von unten
Hohe Pfeiler, viele Takte: Gerade bei schlanken Pfeilern lohnt es sich, die Auslenkung live zu verfolgen.

Das Projekt zeigt, wie Neigungsmonitoring im Brückenbau schon in der Bauphase wirkt. Die Sensorik dazu: der Neigungssensor von Infrasolute. Wie Grenzwerte und Alarmkette aufgebaut sind, beschreibt Überwachung & Alarmierung, wie die Messwerte ausgewertet werden, die Infrasolute-Plattform. Für die Lager im späteren Betrieb gibt es das Brückenlagermonitoring, für das gesamte Bauwerk das Bauwerksmonitoring.

Sie bauen im Taktschiebeverfahren oder haben eine andere Bauphase, in der Pfeiler, Lager oder Überbau unter Beobachtung stehen müssen? Schildern Sie uns Ihr Projekt über die Projektanfrage.

Besonderheiten

Messtakt
Sekündlich, live während jedes Vorschubs
Messgröße
Neigung am Pfeilerkopf als Maß für seine Auslenkung
Alarmierung
Automatisch und sofort, sobald ein Grenzwert überschritten ist
Nutzen auf der Baustelle
Jeder Takt mit Daten statt nach Augenmaß, lückenlos dokumentiert

Produkte im Einsatz

Diese Sensorik ist hier verbaut

Alle Produkte

Infrasolute-Plattform

Wie die Messwerte dieses Projekts ausgewertet werden

Die Messwerte dieses Projekts laufen auf der Infrasolute-Plattform zusammen. Dort werden sie gegen die festgelegten Grenzwerte geprüft, im Verlauf dargestellt und mit KI eingeordnet.

Module der Plattform

Die Plattform im Überblick
Brücke als 3D-Modell in der Infrasolute-Plattform, Messpunkte farbig nach Status
Beispielansicht
FAQ

Häufig gestellte Fragen: Bramkebrücke

Was ist das Taktschiebeverfahren?
Beim Taktschiebeverfahren wird der Überbau einer Brücke auf einem festen Fertigungsplatz hinter dem Widerlager abschnittsweise betoniert. Nach jedem Abschnitt, dem Takt, schieben hydraulische Pressen den gesamten Überbau ein Stück weiter über die Pfeiler. Ein Vorbauschnabel aus Stahl an der Spitze überbrückt den Weg bis zum nächsten Pfeiler. Ein Lehrgerüst im Tal ist dafür nicht nötig.
Warum lenken die Pfeilerköpfe beim Vorschub aus?
Der Überbau gleitet über Gleitlager auf den Pfeilerköpfen. Die Reibung in diesen Lagern und, je nach Längsneigung, ein Anteil aus dem Gefälle wirken als horizontale Kraft auf den Pfeilerkopf. Der Pfeiler ist im Fundament eingespannt und wird dadurch wie ein Kragarm in Vorschubrichtung ausgelenkt.
Wie wurde die Pfeilerkopfauslenkung an der Bramkebrücke überwacht?
Auf jedem Pfeilerkopf saß ein Live-Neigungssensor. Die Sensoren waren an das Live-Gateway von Infrasolute angeschlossen, das die Werte sekündlich an die Datenplattform übertrug. Dort wurde jede Änderung laufend gegen die festgelegten Grenzwerte geprüft und bei Überschreitung sofort alarmiert.
Warum reicht eine Vermessung zwischen den Takten nicht?
Kritisch ist der Moment des Vorschubs selbst: Wird ein Gleitlager schwergängig oder setzt der Überbau ruckartig an, steigt die Auslenkung innerhalb von Sekunden. Eine Messung vor und nach dem Takt zeigt das erst hinterher. Die sekündliche Messung zeigt es, während es passiert, und die Alarmierung erlaubt eine Reaktion, solange der Vorschub noch läuft.

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